Startseite JoomlaWatch Stats 1.2.9 by Matej Koval

Sehr geehrte Gäste,
liebe Züchterfreundinnen und Züchterfreunde,
hallo Jungzüchter,

der Verband für Hühner-, Groß- und Wassergeflügelzüchtervereine zur Erhaltung der Arten- und Rassenvielfalt richtet mit der 128. Deutschen Junggeflügelschau seine 36. Bundesschau heute in Hannover aus. Mit 6.286 Meldungen aus unserem Bereich haben wird dieses Jahr eine Steigerung von 300 Tieren erzielen können. Das ist in Anbetracht der behördlichen Schikanen im Vogelgrippebereich, aber auch im allgemeinen Haltungssektor und teilweise im Ausstellungsbereich eine außerordentlich erfreuliche Tendenz. Hierfür möchte ich mich herzlich bedanken.

Wesentlich dazu beigetragen hat sicherlich das weltweit beste Ausstellungsambiente, das man sich vorstellen kann. Hannover bietet eine Schau auf allerhöchstem Niveau. Selbst wenn das Standgeld hier teils wesentlich höher ist als auf anderen Schauen, lassen es sich viele Züchter nicht nehmen, bei diesem Megaereignis dabei zu sein. Für die stets vorbildliche Umsetzung der Schau, wovon der VHGW, so unser Kürzel, maßgeblich profitiert, möchte ich mich bei Jürgen Brunngräber, Manfred Schmidt und der ganzen Hannoverschen Mannschaft bedanken. Dieses Team ist Garant, dass Hannover die lange Tradition einer Weltschau bis heute aufrechterhalten hat.

Alle reden von der Globalisierung, die wenigsten handeln danach. Der VHGW, versucht globale Züchteraktivitäten den Besuchern der VHGW-Bundesschauen näher zu bringen. 2007 präsentierten wir unbekannte französische Rassen dank des französischen Geflügelverbandes in Sinsheim. Letztes Jahr gab es zur Abwechslung eine Eierschau von Rassen aus aller Welt und heute freuen wir uns, Ihnen unbekannte dänische Rassen vorstellen zu dürfen. Der dänische Geflügelpräsident Willy Littau hat mit seinen Züchterfreunden alles in die Wege geleitet. Eine Rassenpräsentation mit einem dänischen Stand können Sie später beim Rundgang in Augenschein nehmen. An dieser Stelle möchte ich auch die herzlichsten Grüße von unseren dänischen Züchterfreunden und ganz besonders von Willy Littau übermitteln.

Unser Verband hat in seinem Namen den Erhaltungsgedanken von Arten und Rassen festgeschrieben. Wir betreuen im Hausgeflügelsektor sieben Arten mit zahlreichen Rassen. Über 90 Hühnerrassen und jeweils über 20 Gänse- und Entenrassen sind ein Geflügelpotenzial, das es zu erhalten gilt. Dazu kommen noch die Truthühner und Perlhühner.

Viele dieser Arten bzw. Rassen haben keine große Züchterdecke. Zuweilen wird eine Rasse nur von zwei Züchtern betreut. Geben diese Züchter auf, ist Deutschland um eine Rasse ärmer. Die Züchter zu motivieren, Rasseerhaltungsarbeit zu betreiben, ist eine Aufgabe des VHGW. Wir stellen unseren Züchtern in Hannover eine kostenlose Plattform, um ihre Erhaltungszuchten in Form eines Stammes der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zugleich wird der Besucher mit der Problematik konfrontiert und kann die unterschiedlichsten gefährdeten Rassen in Augenschein nehmen. Vielleicht wird dadurch sogar beim einen oder anderen das Interesse geweckt, eine solche Rasse selbst zu züchten und damit wertvolle Erhaltungsarbeit zu leisten.

Zuchten zu erhalten ist nicht nur ein Akt des Spaßes an der Freude, sondern geht viel tiefer. Erhaltungszuchtarbeit zu leisten, bedeutet zu aller erst von tiefer Tierliebe beseelt zu sein. Dazu kommen ein hohes Maß von Verantwortungsbewusstsein für die tagtägliche Pflege und das Wissen um die Vererbung von Rassemerkmalen. All das äußert sich in der Erhaltung einer alten oder seltenen Rasse unter dem Schlagwort Kulturgut.

Erhaltungszuchten sind aber viel mehr als nur Kulturguterhaltung und
-weitergabe. Erhaltungszuchten sind die Sicherung der unglaublich vielfältigen genetischen Ressourcen, die das Hausgeflügel mit seinen unterschiedlichen Arten und Rassen zu bieten hat.

Wirtschaftliche Hochleistungszuchten wurden in der Vergangenheit unter vom Staat legalisierten tierschutzwidrigen Maßnahmen gehalten. Enge Käfighaltung ließ dem Tier keine Möglichkeit der artgerechten Entfaltung. Heute sind die massiven tierschutzwidrigen Haltungssysteme einem weniger tierschutzwidrigen Management gewichen. Es liegt auf der Hand, dass solche Systeme, von der Bevölkerung mehr und mehr abgelehnt werden, weil Tierschutz nicht in Euro gemessen wird, sondern in Verantwortung gegenüber dem Mitgeschöpf.

Aufgrund dieser veränderten öffentlichen Einstellung braucht man neue Wege, die auf artgerechter Haltung basieren. Dazu zählt sicher nicht die neue Käfighaltung, die den Hennen statt eines DIN-A4-Blattes nun ein Platzangebot eines Aktenordnerdeckels bietet, sondern die Freilaufhaltung, in besonderem Maße die Biohaltung, da diese auch einen wesentlichen Gesundheitsaspekt für den Konsumenten mitbringt. Wenn von Tierärzten der Ausspruch, „ wenn du eine Putenschnitzel isst, ersparst du dir den Gang zur Apotheke“, bestätigt wird, kommt klar zum Ausdruck, dass die billige Massentierhaltung nicht die Zukunft sein kann.

Für eine Zukunft mit artgerechter Haltung mit dem nicht unwesentlichen Begleiteffekt der Stärkung der menschlichen Gesundheit eignen sich die gängigen Hochleistungsrassen nicht. Wer Freilandhaltung betreibt, braucht keine Rasse, die sich kaum vom Stallbereich entfernt, sondern eine Rasse, die ins Gelände expandiert. Die Freilandhaltung braucht keine notorischen Federfresser oder Rassen, die nur mit teurem Hochleistungsfutter existieren können, dessen Erzeugung eine Unmenge an Energie schluckt und zudem fragwürdige Zusatzstoffe beinhaltet.

Die Zukunft der artgerechten Freilandhaltung liegt in neuen Rassen, die aus dem Bereich der Rassegeflügelzucht kommen. Demeter, der weltweit bekannte Biolebensmittelproduzent, hat in der Schweiz einen Versuch zur tiergerechten Haltung von Hühnern in Angriff genommen. Er sucht Hühner, die nicht nur ein Jahr lang Eier produzieren, sondern mehrere Jahre und deren Hähnchen nicht als Eintagesküken getötet, sondern als Masthähnchen aufgezogen und vermarktet werden. Es ist heute der Öffentlichkeit nicht mehr erklärbar, dass das Töten von Millionen männlicher Küken aus der Legehennenproduktion wirtschaftlich vertretbarer Tierschutz ist, wie es das Bundeslandwirtschaftsministerium groteskerweise bezeichnet.

Für eine solch angesprochene Hühnerhaltung hat Demeter im Test, bei dem eine gängige Schweizer Hochleistungsrasse schlichtweg durchfiel, die Rasse der Sussex als Biohuhn für die Ökohaltung auserkoren, sofern weitere Versuche erfolgreich verlaufen.

Die Sussexrasse können Sie auf unserer VHGW-Schau natürlich in Augenschein nehmen. Ohne die Erhaltungszüchter, welche die englische Traditionsrasse schon frühzeitig nach Deutschland holten und hier als Zwiehuhn für Eier und Fleisch züchten, wäre die Schweizer Ökohaltung nicht möglich gewesen.

Damit die Rassegeflügelzüchter Rassen erhalten können, brauchen sie Unterstützung. Man sollte meinen, die beste Unterstützung kommt vom Staat, denn dieser hat 1992 das internationale Übereinkommen zur Sicherung der biologischen Vielfalt unter dem Schlagwort „Biodiversität“ abgeschlossen. Der Staat selbst betreibt keine Erhaltungszuchten. Diese Arbeit erledigen für ihn die Züchter des VHGW unter dem Dach des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter. Sie tätigen dabei Umsätze in Millionenhöhe und sichern in der Bedarfsindustrie wertvolle Arbeitsplätze. Für ihren ganzjährigen Einsatz rund ums Tier, damit der Staat mit der statistischen Auflistung der zahlreich in Deutschland erhaltenen Arten und Rassen glänzen kann, bekommt die Züchterwelt eine Handvoll Züchterplaketten vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Das war’s im positiven Bereich.

Dafür haben sich das Bundeslandwirtschaftsministerium und staatliche Institutionen aber eine Menge Maßnahmen einfallen lassen, um Erhaltungszuchten in Deutschland enorm zu erschweren oder gar unmöglich zu machen. Um die Massentierhaltung im Stall auf Kosten einer gesundheitsorientierten Ernährung des Konsumenten und einer tiergerechten Haltung in einer Zeit des Aufschreis gegen tierquälerische Haltung zu zementieren, wurde eine dubiose Vogelgrippebekämpfungsmaßnahme umgesetzt, die einzigartig in der EU ist. Die Freilandhaltung ist grundsätzlich verboten. Es gibt nur Ausnahmegenehmigungen, die von heute auf morgen entzogen werden können. Das ist ein Eklat sondergleichen.

Der korrekte Weg ist eine generelle Freilandhaltung, bei der Amtsveterinäre im Bedarfsfall aufgrund von exakt eruierten Daten ein Verbot von der Freilandhaltung aussprechen. Dadurch wäre gewährleistet, dass die Tierärzte nicht göttergleich frei im politischen Bereich falsche Entscheidungen konsequenzfrei treffen können. Viele Amtsveterinäre haben sich in der Zeit der undurchsichtigen Einstallungspolitik als rückgradlose Behördenvertreter geoutet, die nicht bereit sind, für tiergerechte Haltung Verantwortung zu übernehmen. Sie verschanzten sich vielfach hinter einer falschen oder zumindest ausgesprochen fragwürdigen Auslegung von Paragrafen.

Die Verordnung und ihre Umsetzung haben der Erhaltungszucht von Geflügelrassen den größten Schaden zugefügt, den es in der über 150-jährigen Rassegeflügelzuchthistorie jemals gegeben hat. Vor ein paar Jahren hat der ehemalige Geschäftsführer des BDRG den Rückgang von 20.000 Züchtern aufgrund der verfehlten Vogelgrippebekämpfungspolitik der Bundesregierung beklagt. In einem Schreiben an die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat der BDRG-Präsident gar einen Rückgang von 100.000 Mitgliedern genannt.

Dazu kommen zahllose Restriktionen im Haltungsbereich und teils nicht nachvollziehbare Erschwernisse im Ausstellungswesen. Sie sind weitere Hemmnisse, die für den einen oder anderen Züchter das Fass zum Überlaufen bringen. Dass es auch anders geht, beweist die für die diesjährige Hannoverschau zuständige Veterinärin Dr. Mehl. Ihre unbürokratische Handlungsweise ist einen Applaus Wert.

Es kann nicht sein, dass jedes Bundesland oder jeder Kreis aufgrund der gleichen Verordnung zu völlig verschiedenen Auslegungen der Ausstellungsbestimmungen kommt. Es kann auch nicht sein, dass für eine europaweite Ausstellungen niedrigere Anforderungen gestellt werden als für nationale Ausstellungen in Deutschland. Hier sollten sich die Verantwortlichen in den Behörden einmal überlegen, ob sie für die Menschen da sind oder ob sie nur der Auslegung ihrer Ansicht frönen wollen. Fair zu den Mitmenschen zu sein, würde einen Teil des übergroßen Frusts gegenüber der Bürokratie und ihrer Vertreter abbauen helfen.

Der VHGW hat sich zum Ziel gesetzt, durch öffentlichen Druck die Probleme im Erhaltungszuchtbereich anzugehen. Leider hat das Aufzeigen von fundierten Fakten keine Wirkung, da viele Behörden für Logik und gesunden Menschenverstand nicht zugänglich sind. Nur durch das öffentliche Aufmerksammachen von Fehlleistungen kann man heutzutage vielerorts noch etwas bewirken. Deshalb ist auch ein Grußwort wie hier wichtig, damit Sie sich vielleicht selbst ermutigt fühlen, etwas an der prekären Situation zu ändern. Denn eines ist sicher, wenn der Staat weiterhin die Haltungsbedingungen derart reglementiert, wie in der Vergangenheit, wird ein riesiges Rassesterben einsetzen.

Aus diesem Grund ist es nicht nur wichtig, für teueres Geld eine Rassebestandserhebung auf staatlicher Seite unter Federführung der Erhaltungszuchtverbände durchzuführen, sondern auch die Grundlage für eine problemlose Zuchtarbeit zu sichern. Ohne die Züchter mit ihrer Erhaltungszuchtarbeit gibt es keine Rassen. Das ist scheinbar noch nicht bis zu den Köpfen der Verantwortlichen durchgedrungen. Hier ist akuter Handlungsbedarf angesagt.

Sehr geehrtes Auditorium, genießen Sie trotz der riesigen Behördenproblemen im Erhaltungszuchtbereich diese Schau. Die Züchter haben gelernt, dass sie sich selbst helfen müssen, weil ihnen sonst niemand hilft. In dieser Hinsicht haben sie Fantastisches geleistet und hier in Hannover einen kleinen Ausschnitt ihrer Zuchtarbeit den Richtern zum Kören vorgestellt. Hier wird ihnen eine Richtlinie für die weitere Zuchtarbeit vermittelt und Ihnen eine wunderschöne Arten- und Rassenvielfalt geboten. Nutzen Sie den anschließenden Rundgang, um sich beliebte Rassen, aber auch Kleinode anzusehen. Vergessen Sie dabei nicht die Abteilung der Roten-Liste-Rassen und die dänische Abteilung mit in Deutschland weitgehend unbekannten Rassen. Ich wünsche Ihnen viel Freude inmitten des Federviehs.